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Nestel-Decken für Demenz-Kranke



Bei einem Besuch in der geschlossenen Abteilung einer Geronto-Psychiatrie ist mir aufgefallen, wie viele Patienten mit einer fortgeschrittenen Demenz-Erkrankung extrem unter motorischer Unruhe leiden:

Selbst diejenigen, die an den Rollstuhl gefesselt sind und nicht mehr aufstehen können, streben oft pausenlos nach "Bewegung". Die Hände sind permanent unruhig, suchen rastlos nach Dingen, die sich greifen lassen, nesteln an der eigenen Kleidung und schlimmstenfalls gar an Zugängen oder Pflastern, die eigentlich ja in Ruhe gelassen werden sollten.

Unruhige Hände finden neue Beschäftigung

Da fiel mir ein, dass ich zufällig irgendwo im Netz einmal so genannte Nestel-Decken für Demenzkranke gesehen hatte und beschloss, dass das meine liebevollen kleinen Nähprojekte für Zwischendurch werden sollen.



Wie bei jeder anderen Nähbegeisterten auch, türmen sich bei mir ohnehin seit langem unendlich viele Stoff- und Materialreste. Nun finden diese eine neue, sinnvolle Bestimmung:
Ein paar Jersey-Nudeln laden zum Flechten und Nesteln ein

Ich schneide zunächst Webware-Stoffreste auf ein Maß von 20 cm auf 20 cm zu. Diese bestücke ich dann mit vielen Dingen, die aufgrund von Farbe und Beschaffenheit zum Anfassen, zum "Be-"Greifen, zum Ausprobieren, Spielen und Nesteln einladen.
Ein Stück aus einer alten Kunstfell-Jacke fasst sich herrlich weich an.
Bäume aus Frottee, Jersey und Chiffon

Dabei achte ich darauf, dass keine Verletzungsgefahr besteht und dass sich die fertigen Decken später zumindest in Kissenbezügen gut waschen lassen. Außerdem nähe ich alles gut fest, sodass nichts Abgerissen werden kann.

Wer wohl noch eine Schleife binden kann?
Was war das noch und wofür wurde es verwendet?

Verschiedene Texturen: Rauh, glatt, seidig,.... wechseln sich ab und stimulieren so beim Berühren das Gehirn. Altbekanntes wie Klett- und Reißverschlüsse, Knöpfe, Hosentaschen usw. wecken vielleicht beim ein oder anderen Patienten noch Erinnerungen und können dann ausprobiert werden, wobei zusätzlich die Feinmotorik gefördert wird.

Eine alte Hosentasche lädt zum Öffnen und Hineingreifen ein.

Zum Schluss ordne ich persönlich neun fertige Quadrate in drei Reihen an, nähe sie zusammen und verstürze hinten mit einer Fleece-Decke. Zwar habe ich im Netz oft Decken mit einer Größe vier mal vier Quadraten gesehen, habe mich aber trotzdem für ein kleineres Maß entschieden, weil ich denke, dass dieses für den Schoß eines Rollstuhl-Fahrers oder anderweitig bewegungseingeschränkten Patienten besser geeignet sein dürfte.
Dieses Quadrat habe ich mit Bratschlauch unterlegt, sodass es beim Berühren knistert.
Die Kugeln an reißfesten Schnüren fassen sich unterschiedlich an und lassen sich bewegen

Bisher ist noch keine einzige Decke vollständig fertig, jedoch konnte ich es nicht abwarten, schon mal meine ersten Ergebnisse zu präsentieren.
Ein Reststück Kordel findet neue Verwendung.

Von weich zu rauh: Ein Herz aus einem alten Frottee-Handtuch
Bis bald
Eure Quintilia

PS: Über "ernsthafte" Themen blogge ich neuerdings unter www.malangedacht.blogspot.com. Schau doch mal vorbei!

Kommentare

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