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Ein erstes Resümee

Erst etwa ein halbes Jahr ist es her, dass ich mich aus den hier genannten Gründen mit dem Nähen beschäftige und noch deutlich jünger ist dieser Blog. Trotzdem konnte ich heute mit einiger Ehrfurcht feststellen, dass schon über 5000 Menschen meine Posts angeklickt haben.

5000 Klicks auf mehrere Wochen verteilt sind für die erfahrenen Blogger unter euch vermutlich ein Grund zum Schmunzeln. Für mich jedoch Anlass, heute ein erstes Resümee mit vielen sehr persönlichen Gedanken zu ziehen.

Zunächst einmal herzlichen Dank für jeden einzelnen Klick und noch mehr für jeden netten, Mut machenden und konstruktiven Kommentar. Jede einzelne Rückmeldung motiviert mich ungeheuerlich, mein Ziel weiter zu verfolgen. Gäbe es diesen Blog nicht, hätte ich vielleicht schon manches Mal frustriert aufgegeben.

Manchmal klicke ich mich selber mit einem tiefen Erstaunen durch meine Fotos, was zum einen daran liegt, dass es von mir fast keine Fotos gibt.
Ich bin äußerst kamerascheu und würde mich selber als sehr unfotogen bezeichnen. Vielleicht ist es aber einfach nur so, dass einem Fotos die Wahrheit noch deutlicher vor Augen führen als ein Spiegel dies tut.

Zum anderen liegt es daran, dass das Nähen für mich ganz viel mit Selbstfindung zu tun hat:
Viele Jahre habe ich das getragen (bzw. tragen müssen), was ich eben in Läden fand: Gefällt (wenigstens einigermaßen) und passt ohne eine Änderungsschneiderei aufsuchen zu müssen? Was kaschiert am besten? Worin falle ich am wenigsten (unangenehm) auf? Am besten in uni-schwarz von Kopf bis Zeh? Na dann: Gekauft!

Jetzt, durch das Nähen, sollte sich allmählich die Freiheit entwickeln, das tragen zu können was mir wirklich super gefällt und toll passt. DAS ist der Plan.

Aber was gefällt mir eigentlich wirklich? Wer bin ich tatsächlich? Wer möchte ich sein? Wie möchte ich mich kleiden? Wie weit traue ich mich heraus aus meiner "Wohlfühlzone" (nur nicht auffallen, einigermaßen das Übergewicht kaschieren).

Mit einigen Shirts habe ich begonnen. Oberteile nähen und Jersey verarbeiten waren nämlich absolutes Neuland für mich. Aber ich will doch Kleider (gerne auch aus Jersey), also war die logische Konsequenz für mich, mich zunächst einmal an die noch unbekannte Welt der Oberteile herantasten:

Mit dieser und einer weiteren FrauLiese sowie einer Mariella von Mialuna24 ging es los. Die werde ich euch bei Gelegenheit mal zeigen. Dann folgten für den Frühling und Sommer zum Beispiel diese Shirts:



So wie hier abgebildet: Hose an, Shirt drauf, würde ich übrigens nicht auf die Straße gehen. Da müsste noch was "drüber", was Hüfte und Po kaschiert.

Dazwischen lagen missglückte Versuche, Blusen(shirts) aus Webware und Cardigans zu nähen, die ich bisher auch noch nicht gezeigt habe.

Was das Nähen von Oberteilen angeht, habe ich mich bei aller Begeisterung momentan ein bisschen gebremst. Solche finde ich recht leicht auch in Läden. Es sind die "Unterteile", die mir fehlen (Hosen, Röcke....) und den größt möglichen Shoppingfrust erzeugen, den frau sich vorstellen kann. Und DAS ist ja das Problem, von dem ich mich durchs Nähen befreien wollte.

Ich muss zugeben, recht weit bin ich da auch an der Nähmaschine noch nicht gekommen. Einige Schnittmuster und Anregungen liegen bereit. Aber mir fehlt noch der Mut, mich notfalls auch mit dem Nähfrust auseinanderzusetzen, der zwangläufig kommen könnte.

Die ganz dicke Nuss, die es zu knacken gilt, heißt auch hier Schnittanpassung. Eine Hüfte von 120 cm + (dickste Stelle des Po) und eine Taille von ca. 90 cm müssen erstmal harmonisch miteinander in Verbindung gebracht werden!

Und dann war da noch mein großer Traum vom Schrank voller bunter Kleider. Ohne die eben erwähnte Schnittanpassung funktioniert (leider) erst die Ella von Pattydoo in Größe 44:



Die könnte ich zwar inzwischen rauf und runter nähen vor Begeisterung, doch einerseits ist mir nach mehr Vielfalt und andererseits weiß ich nicht, ob ich sie auch im Alltag viel tragen werde.

Grund? Hm.... Bin ich das? Trau ich mich so weit raus aus meiner Wohlfühlzone? Bin ich damit - von einigen wenigen festlicheren Gelegenheiten - nicht reichlich overdressed? Vor allem ist es wohl der recht weite Rock der Ella, der in mir diesen Gedanken erzeugt, der mich irgendwie nicht loslassen will: Nur für besondere Anlässe!

Eher alltaugstauglich hätte ich - wohl aufgrund des schmäleren Rockteils - diese Kleidvariante gefunden (beide aus Rosa P. "Bau dir dein Kleid"). Die erste (grüne) ist für mich ein absolutes Daheim-gerne-Kleid, die zweite ein absolutes Passformdesaster.

Ich blättere nach wie vor schmachtend durch das Buch, denn es ist für mich sowas wie ein Märchenland für schöne Kleider. Jedoch bräuchte aber auch hierfür deutlich mehr Erfahrung im Anpassen der Schnittmuster auf meine Figur.

Erst diese Woche stellte sich die ernüchternde Erkenntnis ein, dass ich um dieses Problem wohl auch bei Wickelkleidern nicht herumkommen werde. Hier mein erster Versuch mit Sally von Pattydoo, die völlig unerwartet "obenrum" zu groß wurde:



Auf der to-sew-Liste steht nun erst einmal die Suche nach einem passenden Schnitt für einen Rock ganz oben, der meine Shirts ergänzt. Dies ist umso wichtiger, als ich in den letzten Wochen 8 Kilo abgenommen habe und sich dadurch die ohnehin begrenzte Anzahl an passenden "Unterteilen" im Schrank erstmal weiter verkleinert hat.

Problem: Nach vielem Hin- und Herüberlegen und ersten Versuchen aus alter Bettwäsche musste ich einsehen, dass wohl ein Rock mit einem festen Bund und Reißverschluss für mich besser geeignet ist als der leichtere Weg über Gummibund oder Strickbündchen. Es tut meiner Silhouette nämlich deutlich besser, wenn ich die Shirts im Rockbund trage und das gefällt mir mit der elastischen Lösung so gar nicht. Außerdem muss die Weite, die ich über die Hüfte sehr reichlich benötige im Bund verschwinden ohne dort viel aufzutragen.
In die von mir bevorzugten schmaleren Rockvarianten komme ich ohne Reißverschluss schon gar nicht rein. Also sollte ich mich als nächstes mit dem Angstthema Reißverschluss auseinandersetzen. Noch scheue ich den vermeintlich vorprogrammierten Misserfolg sehr...

Ihr seht... Dieser Weg wird (weiterhin) kein leichter sein.

Liebe Grüße
Eure Quintilia

Kommentare

  1. Hei hei!
    Ich muss sagen, Du sprichst mir aus der Seele...schwarze Kleider machen ja auch ein bisschen mehr schlank als so auffällige Blumenmuster aber Deine Kleider, die Du zeigst schauen arg schön aus!!! Vorallem die Ella steht Dir ausgezeichnet und die kannst Du auch ausserhalb der Wohlfühlzone supergut tragen. Ich liebe ja meine Jeansjacke zum kombinieren aber im Sommer dann doch zu warm. Viel Freude beim ausprobieren.Das klappt bestimmt und Gratulation zu dem grossen Abnehmen!!!!
    Alles Liebe
    Marina

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    1. Danke, liebe Marina. Da hast du vielleicht gar nicht so unrecht: Mit ein paar lässigen Details wie einer guten Jeansjacke lässt sich der Look bestimmt etwas "herunterschrauben". Danke für den Tipp und fürs Vorbeischauen.
      Liebe Grüße
      Quintilia

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  2. Ich finde Du hast viel erreicht in kurzer Zeit. Es ist nicht gut, jetzt ungeduldig zu werden. Was ich jedenfalls zu 200% sagen kann, mit dem Elle-Jerseykleid bist Du in keinem Fall overdressed. Sicher ist es anders als vorher mit Hose und Pulli. Aber erstens schaust Du klasse aus in diesem Kleid und gewöhnt sich das Umfeld ganz schnell daran, dass Du nun anders und chicer ausschaust. Es kann gar nicht zu viele gut gekleidete Menschen geben, Sei eine davon. Sei gut gekleidet. Mit einem Kleid. Warum denn nicht?
    Nähen ist der beste Weg die Kleidung so zu wählen, dass die eigenen Figur unterstützt wird. Bei Deiner Taillie-Hüfte-differenz braucht es einen guten Ausgleich, das sind schwingende Röcke und Hosen mit weitem Bein ein guter Weg.
    Ich habe festgestellt, dass mir Oberteile aus dem Laden dann doch nicht so gut gefallen, weil sie immer die falsche Länge haben. Eine Zeit waren alles Shirts total kurz, dann wieder ellenlang. Ich nähe nun doch fast alles selber. Nur weiße Shirts kaufe ich und kürze sie auf meine Wunschlänge. LG Kuestensocke

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    1. Jetzt habe ich hier wirklich die Tränen in den Augen!

      Vielleicht hast du wirklich recht und ich sollte mir ganz einfach einen riesigen Schrank weit schwingender Röcke bzw. Kleider nähen und mich endlich (!) aus den gewohnten Bahnen bewegen.

      Wenigstens die Kleider und Röcke.... von passenden, selbst genähten Hosen bin ich leider noch viel viel viel weiter entfernt als die Kuh vom Schlittschuhfahren. ;o) Ich muss mal ein paar Kaufhosen-Fotos einstellen, damit man ein bisschen ahnen kann, wo hier die besondere Herausforderung liegt.

      Tausend Dank fürs Mutmachen. Ich bin wirklich SEHR frustriert diese Woche. Wie viel "Stoff" (Euronen) für die Tonne ich produziert habe, darf ich mir gar nicht ausrechnen :-(((((

      Bitte schau wieder rein, liebe Küstensocke, du tust mir gut!

      Herzliche Grüße,
      Quintilia

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  3. Viele Euronen verbrannt, schade schade. Zunächst vielleicht doch alte Bettwäsche für Probemodelle verwenden. Du hast Kurven und um die gut und schön zu benähen sind manchmal mehr Mühen notwendig als bei Figurtypen die eher gerade sind. Das ist weder gut noch schlecht, es ist einfach anders. Lass das nähen für einige Tage und mach eine kurze Pause. Dann läuft es meist wieder besser. Die fehlgeschlagenen Euronen relativieren sich in kurzer Zeit. Wenn erstmal ein Schnitt gut sitzt, kannst Du in Serie gehen und auch bei Stoffschnäppchen zuschlagen. LG Kuestensocke

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Wenn man es immer wieder trägt, hat man alles richtig gemacht!

Schnittmuster: Ella von Pattydoo
Größe: 44
Änderungen: verlängert um 8 cm (Körperhöhe 168 cm)


Diese "Ella" von Pattydoo ist eine meiner wenigen langärmeligen, die ich jemals genäht habe.
Das liegt daran, weil ich in der kälteren Jahreszeit oft viel zu "verfroren" für Kleider bin.
Heute ging's gerade so mit den Temperaturen und daher kam die Ella mal wieder aus dem Schrank und zum http://rundumsweib.blogspot.de/.


Ansonsten verbringe ich aktuell meine Freizeit eher am Computer als an der Nähmaschine. Ich blogge nebenbei hier über das Thema "destruktive Beziehungen" und die emotionale Abhängigkeit von "toxischen Menschen". Vielleicht interessiert euch das Thema auch oder ihr könnt den Link an eine Betroffene weitergeben:

Warum wir uns eher in die Falschen statt die Richtigen verlieben


Bis gleich bei www.malangedacht.blogspot.de

Eure Quintilia





Neue Wege: Chloé von Pattydoo

Ich bin nicht besonders mutig, du?

Etwas ganz Neues ausprobieren kostet mich daher immer einiges an Überwindung - auch an der Nähmaschine.

Und dann gibt es so Schnitte, von denen ich mir sicher einbilde: "Sehr hübsch! Aber auf keinen Fall was für dich!"

Chloe von Pattydoo war so ein Schnitt! Tulpenrock und Kellerfalten..... oh je!

Wie gut, dass Carina aus der Pattydoo-Gruppe beim großen sozialen Nähwerk immer viel unvoreingenommener an neue Schnitte herangeht.
Vor allem, weil sie ähnliche Proportionen hat wie ich und in der Regel die selbe Größenverteilung näht.

Als sich dann in einer anderen Nähgruppe für große Größen auf derselben Plattform andere kurvige Mädels ebenso selbstbewusst in ihrer neuen Chloe
präsentierten, hab ich's schließlich doch probiert.

Ich liebe zwar meine Ella-Kleider von Pattydoo, aber mir war schon lange mal nach einer ganz anderen Silhouette.

Und hier ist mein erstes Ergebnis:


Das Oberteil habe ich in Größe 44 genäht. Den kurzen Ärmel werde …

Herbstliche "Ella" aus French Terry

Schnittmuster: Ella von Pattydoo
Größe: 44
Änderungen: Rockteil um 8 cm verlängert (Körperhöhe 168 cm), Ärmel auf 3/4 gekürzt
verlinkt zu: Rums

Ganz super im Herbst tragen lässt sich auch meine Ella aus French Terry (Sommersweat) mit Dreiviertelärmeln.
Sie fällt auch mit dem dickeren Material noch schön. Wenn es kälter wird, kombiniere ich sie mit Stiefeln und einem kurzen Jäckchen. So muss ich auch in der kälteren Jahreszeit nicht auf Kleider verzichten.

Bis bald
Eure Quintilia

PS: 
Du steckst gerade in einer Beziehung, die dir alles andere als gut tut und schaffst es nicht, dich zu trennen? Oder du kennst jemandem, dem es genauso geht? Hier mein Lesetipp für Betroffene:

Warum wir uns eher in die Falschen statt die richtigen verlieben