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An-näh-erung an den richtigen Kleiderschnitt

Tief in meinem Herzen bin ich ein richtiges Mädchen: Ich liebe Kleider! Kann man frau sich weiblicher fühlen als in einem schönen Kleid?

Gibt es außerdem eine unkompliziertere Garderobe für einen Morgenmuffel wie mich? Kein langes, mühsames Suchen nach der passenden Kombination zwischen Ober- und Unterteil in den frühen Morgenstunden: Schrank auf, Kleid raus, reinschlüpfen, fertig! Hach.... wie ich das vermisse!

Als ich vor wenigen Jahren noch 20 Kilo weniger wog, gelang es mir gelegentlich sogar, ein passendes Kleid für mich in Konfektionsgröße 44, manchmal sogar 42 zu finden. Und wenn dem so war, dann habe ich dieses Kleid getragen, bis es mir förmlich vom Allerwertesten fiel.

Was daran so schwierig ist? Nun, charakteristisch für meine Birnenfigur ist, dass ich "oben rum" mindestens eine, manchmal sogar zwei Kleidergrößen kleiner benötige als "unten rum". Wenn mir also ein Kleid an Brust und Taille passt, dann sitzt es über dem Po und den Oberschenkeln ziemlich spack - sollte ich überhaupt hineinpassen. Passt es dagegen unten, ist es oben viel zu weit.

Das hat sich mit meiner Gewichtszunahme noch verstärkt, sodass ich meinen Kleidertraum so lange begraben habe, bis ich durch Zufall im letzten Herbst beim Zappen auf "Verflixt und zugenäht" gestoßen bin und die zauberhafte Ella Mara in ihren femininen, herrlich bunten Kleidern gesehen habe. Ja, dass Selber-Nähen die Lösung meines Problems sein könnte, der Gedanke war mir vorher auch schon gekommen, nur: Ich konnte ja eben gar nicht nähen. Zumindest nicht richtig!

Ella hat mir Mut gemacht, und so habe ich das Internet nach passenden Kleiderschnitten durchsucht. Denn eins kann ich definitiv (noch) nicht: Schnitte wie Ella selber konstruieren. Wer das kann, hat meiner Meinung nach den Zenit des Nähhimmels erreicht und kann sich tatsächlich endgültig von Kaufkleidung trennen.

Der erste Schnitt, auf den ich stieß, war "Ella" von Pattydoo: Hach.... was für ein zauberhaftes Kleidchen, gerade mit ihrem dazu passenden Taillengürtel Twinnie. Ganz meins! Schwärmend saß ich vor den ganzen Nähbeispielen und packte den Schnitt schließlich in meinen Warenkorb.

So, da saß ich nun nach einer Schneide- und Klebeorgie vor dem Schnittmusterbogen und der Anleitung. Unschlüssig wanderten meine Blicke viele Tage lang zwischen meinen Körpermaßen und den Maßangaben auf dem Schnittmuster hin und her. Ja, toll! Dass das Problem mit den unterschiedlichen Konfektionsgrößen nicht nur für Kaufkleidung, sondern auch für Schnittmuster gilt, hatte ich doch glatt ausgeblendet! Was sollte ich denn nun machen???

Noch mehr sank mir der Mut, als ich las, dass das Kleid kurz überhalb des Knies enden würde. Ach, du lieber Gott! Und das, wo sich mindestens 2 der zugenommenen 20 Kilo doch ausgerechnet rund um meine ohnehin recht stattlichen Knie niedergelassen hatten. Nun, das ging gar nicht!

Wie es der Zufall aber so wollte, wurde mir bei einer Stoffbestellung ein Romanit in der falschen Farbe zugeschickt, nämlich in dunkelbraun, das ich nicht trage. Das war ein Zeichen! Definitiv!

Immer noch recht zauderlich, aber doch irgendwie mit einer tiefen Entschlossenheit setzte ich mich nochmal an das Schnittmuster, überlegte hin und her, wie ich denn den Rock des Kleides verlängern könnte, ohne ihn dadurch enger zu machen. Ich hatte mich nämlich nun an der Größe für das Oberteil orientiert (44), was laut Maßtabelle für meine Hüften viel zu klein sein sollte. Wenn ich nun einfach die Saumlinie nach unten versetzte und wieder oben mit dem Taillenpunkt verband, dann wurde der Rock ja an der Hüfte noch schmaler. Würde das reichen?

Ich glaube, ich musste noch zwei Tage hin und hergrübeln, bis ich mich schließlich einen Feigling schimpfte und mich einfach ans Werk machte. Was sollte schon schief gehen? Der Romanit war billig gewesen und in braun wollte ich ihn eh nicht tragen.

Also los: Eine nachtlang durchgenäht an meinem allerersten Kleid und mich daran gefreut, wie prima ich mit der Anleitung klar kam und wie schön mir alles von der Hand ging. Mitten in der Nacht war ich dann endlich fertig, zog mir das fertige Kleid über und stürzte vor den Spiegel.
Blick von vorn: Oh! Gar nicht sooooo übel. Dann (leider?) umgedreht, den Popo in dem Kleid erblickt und mächtig erschrocken: Oh neeeeeeeein! Das ging ja gar nicht! Irgendwie kam es mir so vor, als mache dieser Schnitt meinen Popo noch größer. Was war ich traurig!!!! Meine Freundin meinte zwar, das stimme nicht, so sei mein Popo eben, in jeder gekauften Hose sähe das nicht anders aus.... Na, danke! Das will man hören ;-)

Auch wenn mir klar war, was sie meinte, tat es doch irgendwie sehr weh, zu erkennen, dass es kein Kleidungsstück geben würde, das mich wie von Zauberhand in eine Größe 38 verwandelt! Trotzdem wurde das Kleid erstmal mitsamt meinen kühnen Kleider-Nähträumen ganz ganz tief in einer Stoffkiste vergraben.

Innerhalb der letzten paar Wochen habe ich nun mühevoll etwas mehr als 5 Kilo verloren und mir gestern - angespornt von dieser neuen Hoffnung und einer ganz tollen Nähbloggerin - ein ganz anderes Kleid genäht. Dieses werde ich euch morgen vorstellen.

Es hat mir so viel Mut gemacht, dass ich in der Stoffkiste nach meiner lieblos beerdigten "Ella" gegraben habe und noch einmal hineingeschlüpft bin. Ein vorsichtiger Blick von vorn in den Spiegel: Oh! Ist doch schön! Dann umgedreht, den Popo begutachtet und durchgeatmet: Na, so schlimm ist das nun auch nicht mehr! Passt doch irgendwie! Oder? Was meint ihr? Hat dieser zauberhafte Schnitt eine Zukunft für mich und daher ein würdigeres Stöffchen verdient?


Jetzt, wo ich mir das auf dem Bild so anschaue, denke ich, ein wenig kürzer hätte das Kleid ruhig sein dürfen. Vielleicht so drei Zentimeter weniger?


Und hier die besagte rückwärtige Ansicht. Oh je, wie stehe ich denn da? Das macht es auch nicht gerade besser ;-P Wie man sieht, wirft das Oberteil im Rücken ziemliche Falten, was wohl auch an meinem ausgesprochenen Hohlkreuz liegt. Ich finde es aber nicht allzu tragisch. Ihr?


Was mich mehr zum Grübeln bringt, ist die Passform auf Achselhöhe. Ich weiß nicht recht, wie ich es beschreiben soll und auf den Fotos kommt es, glaube ich, auch nicht so richtig raus: Irgendwie habe ich da "zu viel" Stoff, ausgehend vom unteren Punkt des Armlochs bis hin zur Brust. Das liegt auch nicht an diesem Schnitt, das ist bei anderen genauso. Wenn ich die Arme runter nehme, wirft es nur ein paar Falten, hebe ich die Arme an, was man ja auch gelegentlich mal tut ;-), dann steht die gesamte Armkugel ein wenig hoch. Doch, ich glaube, auf dem Foto von der Vorderansicht könnt ihr sehen, was ich meine. Mache ich was falsch? Übrigens verzeiht mir bitte mein "Beinkleid". Ich habe mir letzte Woche einen Bänderriss zugezogen und mein gesamter Fuß ist noch so geschwollen, dass ich lediglich in Gummigaloschen für den Garten passe. Und in denen wollte ich euch mein Kleid nun wirklich nicht präsentieren.

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Wenn man es immer wieder trägt, hat man alles richtig gemacht!

Schnittmuster: Ella von Pattydoo
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Änderungen: verlängert um 8 cm (Körperhöhe 168 cm)


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Das liegt daran, weil ich in der kälteren Jahreszeit oft viel zu "verfroren" für Kleider bin.
Heute ging's gerade so mit den Temperaturen und daher kam die Ella mal wieder aus dem Schrank und zum http://rundumsweib.blogspot.de/.


Ansonsten verbringe ich aktuell meine Freizeit eher am Computer als an der Nähmaschine. Ich blogge nebenbei hier über das Thema "destruktive Beziehungen" und die emotionale Abhängigkeit von "toxischen Menschen". Vielleicht interessiert euch das Thema auch oder ihr könnt den Link an eine Betroffene weitergeben:

Warum wir uns eher in die Falschen statt die Richtigen verlieben


Bis gleich bei www.malangedacht.blogspot.de

Eure Quintilia





Neue Wege: Chloé von Pattydoo

Ich bin nicht besonders mutig, du?

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Vor allem, weil sie ähnliche Proportionen hat wie ich und in der Regel die selbe Größenverteilung näht.

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präsentierten, hab ich's schließlich doch probiert.

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Und hier ist mein erstes Ergebnis:


Das Oberteil habe ich in Größe 44 genäht. Den kurzen Ärmel werde …

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Schnittmuster: Ella von Pattydoo
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verlinkt zu: Rums

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Bis bald
Eure Quintilia

PS: 
Du steckst gerade in einer Beziehung, die dir alles andere als gut tut und schaffst es nicht, dich zu trennen? Oder du kennst jemandem, dem es genauso geht? Hier mein Lesetipp für Betroffene:

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